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Autor Thema: Kann das auch bei uns passieren?
Hank
Mitglied
Benutzer # 303

Icon 1 erstellt am: 12. November 2005 10:56      Ansicht des Profils von Hank   Senden Sie eine eMail an Hank   Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Der folgende Artikel bezieht sich auf die Unruhen in Frankreich, die wieder zuzunehmen scheinen, jedenfalls nicht abreißen.
Kann das eigentlich auch bei "uns" passieren, fragen sich Viele bzw.: warum passiert sowas nicht längst, fragt der Autor. - Was meint ihr?

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Die schützende Illusion
Unsere Autos brennen nicht / Von Georg Klein

Was würde Ihnen, so Sie ein halbwüchsiger Bengel wären, mehr Spaß machen: Frühmorgens zum Unterricht in einer Hauptschule anzutreten, nachmittags die Toiletten derselben als Hilfskraft einer Reinigungsfirma zu säubern oder das Schulgebäude nachts mit ein paar lustigen Kumpanen abzufackeln?

Wer noch einen Funken männlicher Jugendlichkeit in sich spürt, wer je mit halbneidischem Entsetzen ein paar Knaben beim fröhlichen Zerschmeißen von Bierflaschen oder beim Anzünden eines öffentlichen Abfallkorbs beobachtet hat, der weiß, dass es eigentlich keinen besonderen Anlass, keine zum Himmel schreiende Provokation und auch keine extremen sozialen Missstände braucht, damit Feuerzeug und Kulturgut zueinander finden können.

Erstaunlich ist nicht, dass zur Zeit in Frankreich jede Nacht die Autos brennen, erstaunlich ist, dass dies nicht auch bei uns regelmäßig geschieht. Was hindert die hiesigen Burschen daran, ab und zu mit gemeinsamer Kraft ein paar Autos umzuwerfen, die älteren Anwohner in herzerfrischend komische Panik zu versetzen und dann den euphorischen Straßenkampf mit einer tollpatschig vorsichtig agierenden Polizei zu suchen?

Es ist nicht die Vernunft, es ist nicht die Moral, es ist nicht einmal die Angst vor Bestrafung. Es ist eine Illusion. Es ist die von der Wirklichkeit nur unzureichend gedeckte, im Kern wahnhafte Vorstellung, es lohne sich für jeden Halbwüchsigen, für jeden jungen Mann, sich in das System der herrschenden Ordnung zu fügen. Dies ist eine kostbare Illusion für alle, die anders im Leben stehen: für die kleinen Kinder, für die Frauen, für die Alten und nicht zuletzt für diejenigen, die sich regelmäßig ein neues Auto leisten können. Die Illusion, jeder könne es bei uns zu etwas bringen, ist ein Lügenmärchen, von dem Sie und ich täglich profitieren.

Für die jungen Kerle aber, die sich voraussichtlich niemals den BMW leisten können, der in der Werbung einem jungen, reaktionsschnellen, angriffslustig- geilen Männerkörper entspricht, bedeutet diese Illusion, dass sie ihre besten Jahre in einer Art Wartezustand, als Pizza-Bote, als Aushilfsputzmann, vor allem aber vor dem Fernseher, vor dem Porno-Video, in Fußgängerzonen und auf den Fluren von Ämtern hinter sich bringen werden.

Die USA, unser ebenso heuchlerisches wie schamloses Vorbild, machen uns längst vor, wie man einerseits die große Illusion der allen jeder Zeit nützenden Ordnung nährt und andererseits das energetische Kapital dieser Jungen und Jünglinge in gesellschaftlicher Kompostierung auf niedriger Gärungstemperatur verrotten lässt.

Georg Klein, geboren 1953 in Augsburg, lebt als freier Autor in Ostfriesland. Zuletzt erschien ¸¸Die Sonne scheint uns" (2004) bei Rowohlt.

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.261, Samstag, den 12. November 2005 , Seite 16

Beiträge: 758 | Registriert seit: Okt 2002  |  IP: gespeichert
Kassandra
Mitglied
Benutzer # 142

Icon 1 erstellt am: 12. November 2005 23:25      Ansicht des Profils von Kassandra     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Der Verfasser dieses Textes ist ein wohl kaum zu übertreffender Zyniker.
Wer die Verhältnisse - nicht nur, aber auch - in Frankreich kennt, sollte sich einmal folgendes ausmalen.
Rund 10 % der ca. 56 Mio. Einwohner Frankreichs sind Zugewanderte, vor allem Magrebiner, die aus Nordafrika kommen und für sich in Anspruch nehmen, Franzosen zu sein. Algerien galt als französisches Mutterland.
Man hat sie in Frankreich aufgenommen, ihnen Wohnsilos gebaut, die wahrscheinlich allem Anspruch an die Moderne genügen, aber damit auch Ghettos geschaffen, die deutlich von den Einheimischen getrennt sind. Man versorgt sie, so gut es geht, aber man bietet der neuen, in Frankreich aufgewachsenen Generation keine Chancen. Sie bleiben ausgegliedert, sie sehen die Repräsentanten des Kapitalismus vor ihrer Haustür - siehe Paris - und vegetieren chancenlos.
Es mag sein, dass die Generation der Eltern sich damit abfindet, dem Elend ihres eigenen Landes
entkommen zu sein, aber die Kinder, die Jugendlichen, begreifen nicht, warum sie Zeit ihres Lebens abgesondert und ohne Chanden auf ein halbwegs lebenswertes Leben bleiben sollen. Es geht wahrlich nicht darum, dass jeder von einem BMW träumt, einem Leben in Luxus wie die, die er vor der Nase hat. Er will nicht mehr abgesondert sein, dazu gehören, nicht von vorneherein ausgesondert werden als beinahe lebensunwert oder einfach zu vernachlässigend.

Hinzu kommt natürlich die Stimulation durch die weitweite Terrorwelle, die vielleicht noch einen besonderen Kick gegeben hat. Endlich sind diese Jugendlichen etwas, endlich werden sie wahregnommen,erhalten sie Bedeutung.

Man sollte es sich nicht zu einfach machen, und wenn ein Innenminister ankündigt, diese Banden mit " einem Hochdruckreiniger" zu entfernen und anschließend zu entsorgen, spricht das von einer Menschenverachtung, die eher ermutigend als besänftigend auf die Aufständischen wirkt.

Ob und wie sich das in Deutschland ausbreiten könnte, weiß der Himmel. Ghettos haben wir hier genug. Und Ausgliederung erleben wir jeden Tag.

Beiträge: 973 | Registriert seit: Mrz 2002  |  IP: gespeichert
Hank
Mitglied
Benutzer # 303

Icon 1 erstellt am: 13. November 2005 12:24      Ansicht des Profils von Hank   Senden Sie eine eMail an Hank   Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Zitat:
Original erstellt von Kassandra:

Rund 10 % der ca. 56 Mio. Einwohner Frankreichs sind Zugewanderte, vor allem Magrebiner, die aus Nordafrika kommen und für sich in Anspruch nehmen, Franzosen zu sein. Algerien galt als französisches Mutterland.

wie, für sich in Anspruch nehmen? Das sind Franzosen, nicht mehr und nicht weniger, was denn sonst?
Frankreich muß sich seiner brutalen Kolonialvergangenheit endlich stellen. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt dazu

Ich halte Georg Klein nicht für einen Zyniker. Ich glaube, seine Analyse trifft genau. Wir profitieren davon, daß unterprivilegierte Jugendliche der Glaube (mehr oder weniger) bei der Stange hält, auch aus ihnen könne - und zwar aus eigener Kraft - etwas werden. Ein Leben in Anstand und Würde, mit einer guten, befriedigenden Arbeit die zu gewissem Wohlstand verhilft usw.
Dieser Glaube mag vielleicht in Wiehl noch halbwegs berechtigt sein, wenn du aber am Kölnberg oder in einer vergleichbaren Gegend wohnst, kannst du wahrscheinlich nur wählen zwischen Gangsta-Rapper oder Prostituierter.
Wie gesagt, man kann sich freuen, daß die Illusion noch funktioniert. Derjenige, der sich ins System einfügt, nicht auffällig wird, seinen Abschluß macht usw., glaubt irgendwann "später" belohnt zu werden. Haha.
Das ist heute mehr als in den Zeiten, als ich zur Schule ging, eine Klassenfrage. (obwohl bei uns in der Klasse, in den 80ern, auch nur 5 "Arbeiterkinder" saßen, bei 35 Schülern.)

Ich sehe leider überhaupt nicht, daß sich die nur Erbärmlichkeit ausstrahlende Große Koalition sich dieser Probleme annimmt.
Am besten auch "Durchkärchern"? Wohin denn mit den Leuten? Ins Meer schmeißen?

[ 13. November 2005, 12:47: Beitrag editiert von: Hank ]

Beiträge: 758 | Registriert seit: Okt 2002  |  IP: gespeichert
Hank
Mitglied
Benutzer # 303

Icon 1 erstellt am: 13. November 2005 12:59      Ansicht des Profils von Hank   Senden Sie eine eMail an Hank   Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Noch mehr Text von Leuten die sich besser auskennen als ich und das aucgh besser formulieren können [Winken]
Nils Minkmar im Faz.net von heute:

"Im Unterschied zu den deutschen Verhältnissen wirkt Feuerprotest in Frankreich durchaus, und zwar prompt: Auch diesmal hat es nicht lange gedauert, bis der Premierminister den Nachbarschafts-, Sport- und Freizeitvereinen, die sich um die vergessenen Söhne und Töchter der Republik kümmern, jene Millionen versprach, die zu Jahresbeginn gekürzt worden waren.

Die Rede von den islamischen Gettos, von den unüberbrückbaren kulturellen Differenzen, von Multikulti- und Parallelgesellschaft drängt das Thema in einen vagen, irgendwie kulturellen, ethnischen Zusammenhang und verschleiert seine politische Dimension. Muslime afrikanischer oder arabischer Herkunft sind Franzosen, die keine Chance auf die Realisierung ihrer verfassungsmäßig garantierten Grundrechte sehen, sie haben das schon bei ihren Eltern erlebt und auch für ihre Kinder keine Hoffnung auf Besserung.

(...)

Indem sich Europa eine Unterwelt von Zugewanderten, Illegalen, bloß geduldeten und generell suspekten Menschen hält, verfügt es über ein immenses Reservoir an armen Teufeln, die man je nach Bedarf für schwere Arbeit zu Niedrigstentlohnung heranziehen, ignorieren oder als Statisten in einer Drohkulisse nutzen kann. Der Drogenhandel, die Schwarzarbeit, die Prostitution, das ganze Spektrum unserer Schattenwirtschaft blüht nur durch das Geld der christlichen weißen Mehrheit. (...)
Man kann sich trösten, daß die Ausgegrenzten eben fremd sind und bleiben wollen. Aber es gibt kein paralleles Europa. Gerade weil die Jugendlichen in den Banlieues Franzosen sind, kapieren sie, was ihnen ohne Schulabschluß und mit ihrer Hautfarbe für ein Leben blüht; gerade weil sie die Nachrichten verfolgen, fühlen sie sich von der Wortwahl des Innenministers gedemütigt. Sie suchen keinen Trost in Saudi-Arabien oder bei den Botschaften der Heimatländer ihrer Vorfahren, sie wollen selbst in die Medien, die sie kennen."

Klar, oder?

Beiträge: 758 | Registriert seit: Okt 2002  |  IP: gespeichert
Kassandra
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Benutzer # 142

Icon 1 erstellt am: 13. November 2005 13:51      Ansicht des Profils von Kassandra     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 


[ 13. November 2005, 21:34: Beitrag editiert von: Kassandra ]

Beiträge: 973 | Registriert seit: Mrz 2002  |  IP: gespeichert
Kassandra
Mitglied
Benutzer # 142

Icon 1 erstellt am: 13. November 2005 13:51      Ansicht des Profils von Kassandra     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Für sich in Anspruch nehmen heißt, dass man - trotz Staatsbürgerschaft - nur mit Mühe als Franzose akzeptiert wird, Franzose mit Einschränkungen und ausgegrenzt.
Das Klassendenken ist in Frankreich noch sehr ausgeprägt. Im Rahmen der Partnerschaft haben wir viele französischen Bürger kennengelernt, aber keinen aus dem Hemer Stadtbereich, wo die "Nordafrikaner" untergebracht sind. Man spricht warnend von ihnen, hält uns von bestimmten Stadtvierteln fern und tut so, als gebe es nur die Bürger, die präsentabel sind.

Hank, du tust, als lebten wir hier auf einem anderen Stern. Wer hier abrutscht, bleibt nicht im Wiehler Freizeitpark oder im Umfeld der Eishalle, wie das vielleicht mal früher war. Man zieht nach Köln und versackt da.
Auch hier ist es nur in seltenen Fällen möglich, Jugendliche aus dem Elend zu holen und ihnen zu helfen, ihre Träume vom "normalen " Leben zu erfüllen. Die Zeiten sind vorbei, auch wenn unser Streetworker sich redlich bemüht, einer handvoll
Jungen und Mädchen eine Anlaufstelle zu geben.
Wer kümmert sich um die "Russen"? Die Angebote sind da, aber sie werden nicht angenommen, weil sie keine echten Chancen bieten. Zumindest nicht, so lange sie nicht deutsch sprechen.

Nimm die aus dem Osten zugewanderten "Deutschen". Junge Menschen werden aus ihrem gewohnten Umfeld in eine fremde Welt verfrachtet, mit Wohlstand verlockt, der sich ihnen da präsentiert, wohin sie geschleppt werden. Den meisten ist schnell klar, dass sie das Elend aufgegeben haben, in dem sie aufgewachsen und lange Jahre zu Hause gewesen sind, um hier noch elender zu leben im Angesicht dessen, was ihnen versprochen wurde, was sie aber nie erreichen können.

Weiter über Ursache und Wirkung zu diskutieren bringt nicht viel. Wir sind nicht bereit, Abstriche zu machen und wollen vom Elend der anderen nichts hören und sehen.
In Frankreich ist jetzt der Augenblick gekommen, wo man die elende Existenz der Zugewanderten nicht mehr leugnen kann.

Beiträge: 973 | Registriert seit: Mrz 2002  |  IP: gespeichert
Hank
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Benutzer # 303

Icon 1 erstellt am: 13. November 2005 14:48      Ansicht des Profils von Hank   Senden Sie eine eMail an Hank   Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Zitat:
Original erstellt von Kassandra:

Weiter über Ursache und Wirkung zu diskutieren bringt nicht viel. Wir sind nicht bereit, Abstriche zu machen und wollen vom Elend der anderen nichts hören und sehen.
In Frankreich ist jetzt der Augenblick gekommen, wo man die elende Existenz der Zugewanderten nicht mehr leugnen kann.

Was soll denn sonst was bringen, als weiter über Ursache und Wirkung zu diskutieren und genau hinzusehen?
Das Wort "Elend" ist zu pauschal.
Man muß konkret werden.
Warum hat man, um bei deinem Beispiel zu bleiben, Kassandra, nie versucht mit den "anderen" Hemern in Kontakt zu kommen und es dabei belassen, vor ihnen "gewarnt" zu werden?

Tiefer bohren, bitte.

- Das Problem der Russen scheint mir zu sein, daß sie zum großen Teil gegen ihren Willen aus ihrem Ursprungsland von ihren Eltern nach Deutschland verfrachtet wurden und sich aus Trotz gegen ihre Integration stemmen.
Das ist bei den jungen Franzosen anders. Frankreich ist ihr Heimatland.

[ 13. November 2005, 14:51: Beitrag editiert von: Hank ]

Beiträge: 758 | Registriert seit: Okt 2002  |  IP: gespeichert
Birgit
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Benutzer # 4

Icon 1 erstellt am: 13. November 2005 15:25      Ansicht des Profils von Birgit     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Zitat:
Original erstellt von Kassandra:
. Wer hier abrutscht, bleibt nicht im Wiehler Freizeitpark oder im Umfeld der Eishalle, wie das vielleicht mal früher war. Man zieht nach Köln und versackt da.
Auch hier ist es nur in seltenen Fällen möglich, Jugendliche aus dem Elend zu holen und ihnen zu helfen, ihre Träume vom "normalen " Leben zu erfüllen.

Ja, das kann ich bestätigen... auch in Köln wird vieles schöngeredet bzw. unter den Teppich gekehrt... es gibt weit mehr Elend und Kriminalität in diversen Stadtteilen, als man annehmen möchte.

Zu der Frage, ob auch hier so etwas passieren kann - natürlich. Ein Nachahmeffekt in Sachen "brennende Autos" läuft zurzeit in Köln, die Situation könnte ganz leicht eskalieren.

Klick >>>

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Hank
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Benutzer # 303

Icon 1 erstellt am: 13. November 2005 15:36      Ansicht des Profils von Hank   Senden Sie eine eMail an Hank   Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Es geht ja nicht in erster Linie um "Abrutschen" aus relativ gesicherten, bürgerlichen Verhältnissen, sondern um Leute, die praktisch im Ghetto geboren wurden. Es ist mir nicht bekannt, daß es im Oberbergischen ghettoartige Zustände gibt... es sei denn die Verhältnisse auf dem Hackenberg bei Bergneustadt oder auf dem Bernberg hätten sich rapide verschlechtert. Da bin ich aber nicht (mehr) informiert.

Vielleicht ja jemand von Euch?

Beiträge: 758 | Registriert seit: Okt 2002  |  IP: gespeichert
Kassandra
Mitglied
Benutzer # 142

Icon 1 erstellt am: 13. November 2005 22:27      Ansicht des Profils von Kassandra     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Es ist eine Illusion, zu glauben, man könne mit bohren und diskutieren etwas erreichen.

Uns allen ist bewusst, dass die Konzentration von Aus-und Umsiedlern, Asylanten etc. zwangsläufig zu einem Ghetto führen muss. Und die Kommunen machen es nach wie vor. Sie weisen Bauland aus, auf dem dann eine Nachbarschaft entsteht, die sich durch gemeinsame Herkunft und gleiche Schwierigkeiten in der Anpassung solidarisch fühlt. Das mag den Einstieg in das Leben hier sicherlich erleichtern, aber die Kinder, die von dort kommen, bleiben eine Randgruppe, zumal sie durch die gleiche Sprache in ihrem Bereich untereinander verbunden sind.
Jede Art der Integration wird abgelehnt, weil sie zu anstengend und zu schwierig zu sein scheint.
Was glaubst du, wie lange es dauern wird, bis diese Ansiedlung, z.B. der Russlandeutschen, zum Ghetto wird?

Noch schlimmer ist es dort, wie auf dem Hackenberg, wo man in hohen Häusern dicht beeinander und außerhalb der städtischen Gemeinschaft zusammen hockt. Siehe die Vorstädte Paris oder sonst wo, nicht nur, aber besonders in Frankreich.

Es ist außerdem eine Illusion, dass sich bei der augenblicklichen wirtschaftlichen Situation in Europa das Verhältnis zu den Zugezogenen ändern wird. Es sei denn, diese Menschen sind willkommen, um die Arbeit zu leisten, für die wir uns inzwischen zu gut sind. Damals haben wir die Italiener, die Türken und Spanier nach Deutschland geholt, weil wir sie für die Drecksarbeit brauchten. Da waren sie willkommen, und es war nie die Rede von Ghettobildung oder Anpassungsschwierigkeiten

Wir haben versucht, Menschen aus den "Randgruppen" in die Partnerschaft miteinzubeziehen. Einmal ist uns das gelungen. Das "Centre Sociale" hatte zugestimmt, dass Bedürftige ein Adventswochenende in Wiehl verbringen konnten. Für diese Menschen war es ein besonderes Ereignis, für das sie so dankbar waren, dass es uns peinlich war. Es ist uns nie wieder gelungen, so etwas zu arrangieren.
Nicht nur in unserer Partnerstadt, sondern in vielen Städten vieler europäischer Länder sind diese Menschen eine "quantité négligeable" - man beachtet sie nicht mehr als eben nötig.
Es sei denn, sie machen sich bemerkbar wie jetzt in Frankreich. Ob das wirklich eine Änderung auf Dauer bewirken kann, wage ich doch sehr zu
bezweifeln.

[ 13. November 2005, 22:32: Beitrag editiert von: Kassandra ]

Beiträge: 973 | Registriert seit: Mrz 2002  |  IP: gespeichert


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