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Autor Thema: Nahost - Forum in Wiehl
cb

Benutzer # 139

Icon 1 erstellt am: 17. März 2002 17:01      Ansicht des Profils von cb     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
danke TnT,

sowohl für die technischen Hinweise als auch für den passenden Witz.

Was allerdings die Auffassung anbelangt, alle Welt unterstütze den amerikanischen "Krieg gegen den Terror" und kritisiere nur die Israelis bei ihrer Terrorbekämpfung, so bin ich anderer Meinung. Ob das, was die Amerikaner tun, ein lauterer Kampf gegen Terrorismus ist, sozusagen in Wahrnehmung eines übergeordneten weltpolizeilichen Interesses, muss schon ganz deutlich bezweifelt werden. M.E. hat es einerseits sehr viel mehr mit Rache, der Schaffung neuer Feindbilder und damit Steuerungsmechanismen für die westlichen Gesellschaften, der Festigung von inneramerikanischen Machtstrukturen eines Minderheitspräsidenten (bis zum 11. September!)und andererseits handfesten wirtschaftlichen, vor allem globalen Öl-und Rohstoff-Interessen zu tun. Ja und was die Israelis angeht, so sollte sich jeder einmal ein Bild von den Zuständen in den palästinensischen Gebieten machen, die jahrzehntelang unter israelischer Verwaltung standen und in denen heute teilweise sogar Hunger herrscht, von sonstiger Verelendung gar nicht zu reden.
Vielleicht gäbe es ja auch keine Selbstmordattentate, wenn die Bevölkerung nicht vorwiegend islamischen Glaubens wäre (Christen gibt es übrigens auch und sie sind als Träger der meisten Privatschulen ein wichtiger Bestandteil der geistigen Elite); Buddisten wären vielleicht friedlicher und eher bereit sich mit der Enteignung ihres Landes, aber auch dem täglichen Kampf um Wasser, Arbeit, Freizügigkeit und Achtung der Menschenwürde einverstanden zu erklären. Dies alles gibt es für Palästinenser nur eingeschränkt und nur dann, wenn es den Interessen Israels nicht widerspricht. Das ist die Realität - leider!
In Ergänzung zu Kassandra meine ich, dass das Problem noch tiefere Wurzeln hat. Letztlich geht es um einen jahrtausendealten Erbstreit zwischen Brüdern (die Aufteilung des Landes zwischen Isaak und Ismael durch den gemeinsamen Stammvater Abraham), der etwa 2000 Jahre lang während der Diaspora der Juden bei dünner Besiedelung keine Rolle spielte, in den Köpfen der semitischen Völker aber fest verankert ist. Geschichte und Religion verzahnen sich in der Region viel stärker als wir es uns heute in unserem säkularisierten Deutschland vorstellen können. Und der tägliche Existenzkampf tut ein übriges.
Damit jedoch keine Missverständnisse aufkommen - das ist keine Verteidigung von Selbstmordattentaten. Natürlich haben die Israelis Angst. Bei der Gründung des Staates Israel war der Gedanke des sicheren Zufluchtsortes massgebend und er ist es bis heute geblieben. In ihrem verständlichen Bemühen um die eigene Sicherheit tragen sie jedoch auch zur Verhärtung der Situation bei. Die Sorge um die eigene Selbstbehauptung, insbesondere nach den Schrecken des Holocaust, birgt die Gefahr der Selbstgerechtigkeit, die Gefahr, die Interessen der "Feinde" im eigenen Land nicht in gleicher Weise wahrzunehmen, die Angemessenheit der Mittel zu übersehen und damit auch den Keim des Konflikts.
Und wenn es in einem solchen Fall nicht die Möglichkeit gibt, eine hohe Mauer zu ziehen (die Landkarte der palästinensischen Gebiete ist von israelischen Siedlungen und Strassen durchsetzt wie ein Schweizer Käse) dann gibt es entweder nur den Weg bis zur ein- oder gegenseitigen Vernichtung, die Katastrophe unbestreitbar schlechthin, oder der einseitigen Unterwerfung oder aber Reden, Verhandeln, Vertrauen schaffen, sich Aussöhnen und irgendwie zusammen Auskommen.
Eine unendliche Geschichte, vielleicht vergebens, aber es geht um den Ort, den wir als Wiege unserer Kultur ansehen und die Juden, aus denen sich das Christentum entwickelt hat. Vielleicht erklärt das ja auch neben unserer besonderen politischen Verantwortung als Deutsche, warum es uns so betrifft und warum wir uns überhaupt in Vermittlungsbemühungen gleich welcher Art engagieren. So verstanden, unterstütze ich übrigens voll den "Kampf gegen Terror".
Das hat dann allerdings überhaupt nichts mit dem Entsenden von Bombergeschwadern und dem Ausräuchern von Bergnestern im Hindukusch oder sonstwo zu tun, die zuvor mit CIA-Geldern geplant und gebaut wurden.

Peter Schmidt, die links stelle ich noch zusammen, hab jetzt nur keine Zeit mehr!
cb


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Kassandra
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Benutzer # 142

Icon 1 erstellt am: 17. März 2002 17:47      Ansicht des Profils von Kassandra     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Hallo cb,
ich stimme den Ausführungen vorbehaltlos zu. Mein Hinweis auf die Entwicklung, die dann zur Gründung des Staates Israel führte, sollte als Begründung der Mitverantwortung der Briten und auch der Deutschen dienen.
Wer Beziehungen zu Israel hat und in der Lage ist, Diskussionen zu führen - was wegen der Hebräischen Sprache und oftmals wegen des schlechten Englisch nicht immer einfach ist - bekommt zunehmend einen rücksichtslosen Besitzanspruch der Israelis zu spüren, der mir Sorgen macht. Vor allem junge Israelis sind von ihrer Überlegenheit den Palästinensern gegenüber so überzeugt, dass ich wenig Hoffnung auf eine Lösung des Problems habe. Avi Primor - ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland - hat einmal gesagt: Frieden gibt es erst, wenn beide Staaten als selbständig anerkannt und gleichwertig sind, wenn sie gleiche wirtschaftliche und soziale Verhältnisse aufweisen können. Mit dieser Ansicht trifft er in Israel wahrscheinlich auf keine große Zustimmung. Golda Meir hat sich seinerzeit sehr darum bemüht, die Palästinenser durch wirtschaftlich verlockende Angebote an der Flucht zu hindern. Sie war davon überzeugt, dass die Palästinenser im neugegründeten Staat als Hilfskräfte, als Arbeiter dringend gebraucht wurden. Die Israelis hatten Kenntnisse und Geld, die Palästinenser waren es gewöhnt, hart zu arbeiten. Golda Meir schreibt, das Angebot sei nicht angenommen worden, weil die an sich willigen Palästinenser von den mächtigen Clans der herrschenden Familien unter Druck gesetzt worden seien. Und dann ließen die "arabischen Brüder" die Flüchtlinge jahrzentelang im Elend der Lager sitzen. Was wirklich war, läßt sich von hier aus schlecht sagen. Ich meine, wir -ob Europäer oder Amerikaner - seien verpflichtet, den Palästinensern auf allen nur denkbaren Ebenen Hilfe zu leisten, ihnen beim Aufbau eines eigenen Staates zu helfen, den wir ihnen so garantieren müssen, wie damals Balfour mit seiner Declaration den Juden die Heimstätte in Palästina zugesichert hat.
Natürlich gibt es keine Entschuldigung für die entsetzlichen Terroranschläge, auch nicht für die weit überzogenen israelischen Militäraktionen.

Beiträge: 973 | Registriert seit: Mrz 2002  |  IP: gespeichert
cb

Benutzer # 139

Icon 1 erstellt am: 18. März 2002 17:57      Ansicht des Profils von cb     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Hallo Kassandra,

du hast recht, auch mir macht Sorge, dass sich gerade die jungen Leute in Israel, aber auch in Palästina, immer mehr radikalisieren. Und das ist wohl auch umso einfacher als die Realität im jeweils anderen Teil einfach nicht bekannt ist, Kontakte zwischen den Bevölkerungsgruppen so gut wie nicht stattfinden. In den letzten Monaten sind sie vollständig zum Erliegen gekommen, da selbst die Gutwilligen zur Zeit keine Möglichkeit für Gespräche u. Austausch sehen. Ich weiss auch nicht, wie das Rad wieder zurückgedreht werden soll; je mehr Greuel geschehen, desto feindlicher werden sich die Gruppen gegenüberstehen. Eine vernünftige Alternative zu der 2-Staaten-Lösung, die die Israelis ja bis heute eigentlich ablehnen, gibt es wohl nicht. Es sei denn, man hält eine Entwicklung, wie sie z.B. die Indianer in Nordamerika gemacht haben, für möglich und wünschenswert. Allerdings sind die Palästinenser kein Naturvolk und zahlenmässig zu stark (ca. 1 Mio verstreut im israelischen Kernland und ca. 2,5 Mio in den Autonomiegebieten gegenüber ca. 5-6 Mio Israelis, ?? glaube ich die von Primor genannte aktuelle Zahl zu erinnern ).
Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die amerikanische Nahost-Politik bald ändert, wenn sie sich nicht schon gedreht hat, um die eigenen Interessen nicht zu gefährden. Die USA wären bei ihrer Antiterrorbekämpfung nämlich glaubwürdiger, wenn sie nicht nur Feldzüge planen sondern aktiv Friedens-politik betreiben würden, sicher ein mühseliges und nicht sehr öffentlichkeits-wirksames Geschäft und wohl auch eins, dass Persönlichkeiten an der Spitze erfordert, die persönlich hierfür qualifiziert sind. Aber wenn man sich die Leitfiguren so anschaut,.....
cb


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Kassandra
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Benutzer # 142

Icon 1 erstellt am: 18. März 2002 23:32      Ansicht des Profils von Kassandra     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Hallo cb,
wenn es nicht so zynisch wäre, würde ich sagen, amerikanische Leitfiguren haben das schreckliche Geschehen vom 11. September gut genutzt, sich als starke Männer zu präsentieren. Sie demonstrieren Macht, sie bestimmen über Gut und Böse, über Sein und Nichtsein und gewannen so die Zustimmung im Volk, die ihnen wegen der nebulösen Wahl von vielen versagt geblieben war. Es wird immer noch deutlich, dass das Interesse der Amerikaner - wegen der starken Lobby der Israelis in den USA - mehr Israel als Palästina gilt. Warum lehnt Zinni es ab, mit Arafat zu verhandeln, während er zwar zu Sharon auf Distanz geht, sich aber trotzdem mit ihm in der Öffentlichkeit zeigt? Die Lösung des Nahost-Problems ist wie die Quadratur des Kreises. Warum mußte Rabin sterben? Warum bekommt die Arbeiterpartei keine Mehrheit, um Sharon abzuwählen? Inzwischen verbreitet sich unter den Israelis die Ansicht: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich mag Israel und die Israelis sehr, ich wünschte den Juden - aber auch allen andern in der Region - die sichere Zuflucht und die garantierte, friedliche Eigenständigkeit einer Heimstätte, wie sie Theodor Herzl erträumt hat. Aber er sagte auch: "wenn ihr wollt, ist es kein Traum"
Ob es doch ein Traum bleibt?
Kassandra

Beiträge: 973 | Registriert seit: Mrz 2002  |  IP: gespeichert
TnT
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Icon 1 erstellt am: 19. März 2002 08:10            Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Noch im Dezember vergangenen Jahres verurteilte die UN-Vollversammlung Israels Politik gegenüber den Palästinänsern aufs Schärfste. In einer Resulution wurde die Entsendung internationaler Beobachter ins Kriesengebiet gefordert. In einer zweiten Resolution wurde Israel als Besatzungsmacht bezeichnet und aufgefordert, willkürliches Töten, Folter und die Zerstörung des Besitzes von Palästinensern zu Unterlassen
(Der Zürcher Oberländer, 22.12.01)

Doch mit keinenm Wort wurde das Vorgehen der
Palästinenser gegenüber jüdischen Zivilisten
erwähnt.
Niemand kümmert sich darum, dass es in der
PLO-Charta (Art. 21) immer noch heisst:
"Die Zerstörung Israels ist eine Notwendigkeit."

Selbst wenn es einen richtigen Palästinenserstaat geben sollte, wird der Kampf nicht aufhören. Denn Ziel ist es nicht selbstständig zu sein, sondern - ähnlich wie im 3. Reich - die vollständige Vernichtung der Juden.
Hierzu finden sich genug Hinweise auch in
anderen Satzungen der Arabischen Liga und
diverser "Volksbefreiungsgruppen".

------------------
It's a long way to the top...if you wanna Rock n' Roll!


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Kassandra
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Benutzer # 142

Icon 1 erstellt am: 19. März 2002 23:50      Ansicht des Profils von Kassandra     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Hallo TnT,
ich freue mich immer wieder über Deine witzigen Bemerkungen und prima Reaktionen. Deinen Beitrag zum Nahost - Konflikt kann ich jedoch nicht unwidersprochen hinnehmen. Ich betone hier noch einmal, dass ich mich den Israelis sehr verbunden fühle und zur Zeit mit meinen Freunden dort zittere. Ich wünsche dem Volk Israel, nicht nur den Juden, endlich Frieden und Ruhe. Aber Dein Vergleich mit dem "dritten Reich" stimmt nicht. Für die Moslems ist der Koran das Gesetz, und das duldet keinen Ungläubigen in Palästina. Bis dahin hast Du Recht, auch was die PLO-Forderungen angeht. Aber da wird von Vertreibung und nicht von einem systematischen Ausrotten eines ganzen Volkes geschrieben. Es gibt nur eine Möglichkeit zur Befriedung der beiden Kontrahenten im Nahen Osten: die von der UNO garantierte Eigenständigkeit zweier Staaten. Die Israelis werden sich mit aller Macht gegen die Attentate wehren - und überziehen dabei. Aber ich kann verstehen, dass Ben Gurion zur Staatengründung gesagt haben soll: Wir Juden werden uns nie wieder widerstandslos einem Massenmord ergeben. Daher die verständliche Macht des Militärs in Israel. Und wir alle haben die Verpflichtung, die Garantie des Staates Israel zu übernehmen.
Kassandra

Beiträge: 973 | Registriert seit: Mrz 2002  |  IP: gespeichert
cb

Benutzer # 139

Icon 1 erstellt am: 21. März 2002 13:39      Ansicht des Profils von cb     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Hallo, da möchte ich auch noch etwas ergänzen, TnT

Arrafat hat schon vor vielen Monaten das Existenzrecht Israels ausdrücklich öffentlich anerkannt und so den früheren PLO-Standpunkt aufgegeben. Warum wird das einfach nicht zur Kenntnis genommen?
Im übrigen haben auch wir Deutsche in der Verfassung den Anspruch auf Wiedervereinigung nie aufgegeben, obwohl viele Jahre lang keiner mehr ernsthaft mit einer Wiedervereinigung rechnete und das Staatsgebilde der DDR faktisch, aber auch mit gewissen Einschränkungen rechtlich anerkannt war.
Warum wird eigentlich den Arabern fortwährend unterstellt, sie sagten die Unwahrheit, seien unglaubwürdig und doppelzüngig? Ja, ihre Mentalität ist eine andere, wie auch viele Israelis inzwischen sehr orientalisch geprägt sind. Das macht es für uns schwierig, Verhaltensweisen immer richtig zu deuten und deshalb ist auch Vorsicht bei Wertungen geboten.
Und was die Vorstellung von einer idealen Lebenssituation in der Region anlangt, so wäre sicher jedes Volk am liebsten unter sich und müsste sich Land, Ressourcen und alles andere nicht teilen. Fragt man Menschen im ehemaligen Jugoslawien, so wäre die Antwort wohl auch gleich. Das bedeutet aber nicht automatisch Massen- und Völkermord und auch nicht zwangsläufig Vertreibung.
Die UN Resolutionen (viele!) basieren auf geltendem Völkerrecht - nur leider ohne Erfolg bisher!
cb


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TnT
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Icon 1 erstellt am: 21. März 2002 14:09            Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Es wäre ja nicht das erste mal, das Araffat oder irgendeiner der anderen, etwas bestätigen, zugeben, anerkennen würde - alles schön für die Weltöffentlichkeit. Araffat war mächtig unter Druck, und musste dieses Eingeständis machen, aber im Endeffekt sieht es immer so aus, das Israel sich zurückziehen, und Siedlungen aufgeben soll, um "garantiert" Frieden zu bekommen.
Warum haben denn alle Terrororganisationen im Palästinensischen Gebiet, die Freiheit Anschläge zu planen?
Weil Araffat nicht wirklich an einem Ende interessiert ist. Oder hat er "sein" Volk vielleicht gar nicht unter kontrolle? Dann könnte aber auch ein Friendensvertrag mit Araffat diese Auseinandersetzungen nicht stoppen.

Zusätzlich noch was:
Es gibt genügend friedliebende Palästinenser, die sich die Hoheitsmacht der Israelis zurückwünschen, weil es ihnen damals einfach besser ging. Allerdings werden solche Stimmen aus dem Volk unterdrückt, und die Personen gefoltert oder sie verschwinden plötzlich.

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cb

Benutzer # 139

Icon 1 erstellt am: 21. März 2002 20:33      Ansicht des Profils von cb     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Stimmt TnT,

es gibt viele Palästinenser, die alles andere als glücklich über ihre Regierung sind, - wie bei den Israelis übrigens auch.
Ich habe auch selbst schon von Palästinensern gehört, dass eine jüdische Regierung schon wegen ihrer grösseren Effizienz besser wäre als eine arabisch-muslimische. Aber verschwunden, gefoltert oder ermordet wurde von denen niemand. Auf welche Fälle beziehst du dich? Wer, wann und wo wurde zum Opfer?
Das Problem ist sicher, dass die Palästinenser keine demokratische Tradition haben und die PLO nach ihrer Geschichte schon gar nicht in der Lage ist, diese Strukturen aufzubauen. Aber es gibt die demokratischen, im Ausland gut ausgebildeten Kräfte, vor allem im Parlament, das zur Zeit noch relativ bedeutungslos ist. Am Aufbau der Verwaltung wird gearbeitet, wenn auch zur Zeit noch aus der zweiten u. dritten Reihe. Eine Chance haben diese Kräfte aber nur, wenn nicht die tägliche kriegerische Aueinandersetzung immer wieder Solidarität erzwingt und die mühsam aufgebauten Strukturen gezielt zerbombt und zerstört werden. So gesehen, spielen sich die hardliner auf beiden Seiten immer wieder hervorragend in die Hände - sie haben ja auch das gleiche Ziel, wenn auch mit anderem Vorzeichen.
Im übrigen glaube ich schon, dass Arrafat nicht mehr die volle Kontrolle über sein Gebiet hat. Hamas und Dschihad sind selbstbewusste, eigenständige Organisationen. Die Hamas wurde übrigens von den Israelis als Gegenkraft zur PLO tatkräftig und finanziell unterstützt bis sie zu "eigenständig" wurde. (Aber diese Erfahrung mussten die Amerikaner mit Bin Laden ja auch machen.) Der Einfluss der Hamas in der Bevölkerung ist inzwischen schon deshalb so gross, weil sie ein fester Bestandteil des Sozialsystems ist, Unterstützung in vielen Formen gewährt, ähnlich wie die Moslembruderschaft in Ägypten, die dadurch sehr einflussreich wurde und wesentlich zur Radikalisierung beitragen konnte. Wichtig wäre also vor allem der Aufbau einer funktionierenden sozialen Infrastruktur, damit der Einfluss militanter Muslims zurückgedrängt werden kann. Zur Zeit allerdings geschieht genau das Gegenteil und niemand sollte sich wundern, wenn die Selbstmordattentäter weiter Zulauf erhalten. Sicher wird es auch nach einer Staatsgründung Palästinas kein Paradies geben. Aber die Europäische Gemeinschaft als vermutlich wichtiger Geldgeber könnte Bedingungen für die Vergabe von Geldern setzen bzw. auch personell den Aufbau einer sozialen Infrastruktur fördern.

Ich mache mir allerdings grosse Sorgen, was in Israel passiert, sollte es tatsächlich zu einer weitgehenden Räumung der besetzten Gebiete, insbesondere der Siedlungen kommen. Ich glaube nicht, dass die meisten Siedler dies hinnehmen werden, zumal die Mehrzahl der orthodoxen Juden den Staat Israel ohnehin nicht anerkennen. Das ist noch ein ganz anderes Problem!
cb


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TnT
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Icon 1 erstellt am: 22. März 2002 00:51            Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Hallo cb,

wenn also Arrafat seine eigenen Gefolgsleute nicht unter Kontrolle hat, wie will man denn dann mit im noch verhandeln?
Und nachdem es nicht nur eine Terrorgruppe sondern mehrere gibt, werden die sich untereinander auch nicht grün sein, was in weiteren Verhandlungen ohne Arrafat bedeutet, man wird es nie allen Recht machen können.

Und ähnlich wie die ganz und gar unrühmlichen Kreuzzüge, ist es heute noch die Pflicht aus dem Koran, den Islam notfalls mit dem Schwert zu verbreiten.

Wie kann man also mit Anhängern einer solchen Religion jemals in Frieden zusammen leben, ohne zu konvertieren?

_______

Bevor der Staat Israel gegründet wurde bestand der grösste Teil des Landes, der heute bebaut ist, aus Wüste. Erst die Israelis haben mit ausgeklügelten Bewässerungstechniken es geschafft, das es heute überall grünt und blüht.

Der Hass auf Israel, und Juden allgemein, ist schlicht und einfach der Neid darauf, das dieses Volk ein überdurchschnittlich Intelligentes Volk ist. Viele Bedeutende Entwicklungen der modernen Technik stammen aus jüdischen Köpfen, und sind sind auch clevere Geschäftsleute.


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[Dieser Beitrag wurde von TnT am 22.03.2002 editiert.]


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TnT
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Icon 1 erstellt am: 22. März 2002 11:06            Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
31.12.2001
Palästinenserführer Arafat erklärte im arabischen Fernsehen, dass er im Jahre 2002 den unabhängigen Palästinenserstaat mit Jerusalem als Haupstadt der Palästinenser ausrufen werde. Er rief alle Palästinenser auf, im Kampf um Jerusalem Märtyrer zu werden, den dies sei schliesslich der Djihad, der heilige Krieg.

Ende Dezember 2001
53 moslemische Führer erklären in Tunis, dass sie alle ihre Macht einsetzen würden, damit sich auch die nichtmoslemischen Völker ihrem Kampf um Jerusalem anschliessen. Niemand können einer geballten Wucht von 1,3 Milliarden Moslems, die zum heiligen Krieg gegen Jerusalem bereit und gerüstet seien, wiederstehen.

Der Mufti von Jerusalem, Ikrami Sabri, erklärte im Fernsehen, dass der Islam nur deshalb noch so schwach sei und der westlichen Welt gegenüber nicht standhalten könnte, weil ihm das Herz, die Stadt Jerusalem, fehle. Daher sei der Kampf um Jerusalem für den Islam lebensnotwendig und dringend geboten.

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cb

Benutzer # 139

Icon 1 erstellt am: 22. März 2002 18:41      Ansicht des Profils von cb     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Moment, Moment, TNT......

bitte schau auf das Datum dieser Erklärungen, die so oder anders ja durchaus gefallen sein können (welche Quelle zitierst du übrigens? Es wäre nett, wenn du die Fundstellen nennen könntest, die bei Zitaten eigentlich notwendigerweise immer zwecks Überprüfung mitgeliefert werden sollten).
Aber im Rahmen einer kriegerischen Auseinandersetzung, nach dem von Sharon ausgesprochenen Verbot für Arrafat, sich in seinem eigenen Gebiet frei zu bewegen, insbesondere den Weihnachtsgottesdienst in Bethlehem zu besuchen, eine Tradition für ihn und Geste des Respekts auch gegenüber einer Minderheit im eigenen Volk, ist es da verwunderlich, wenn starke Worte fallen? Wen wundert es eigentlich, wenn die Araber die Hoffnung auf ein friedliches Miteinander mit den Juden aufgegeben haben und auf eine Radikallösung setzen? Solche radikalen Thesen gibt es auch auf jüdischer Seite, wobei ein Teil vielleicht nicht ganz so ernst gemeint ist wie sie sich anhören, berücksichtigt man die Umstände, unter denen sie gemacht wurden. Und du musst das Mass der Frustration bedenken, unter dem die Palästinenser nun seit Jahrzehnten leiden.
Ich würde dir gern einen Rundbrief eines deutschen Zivis schicken, der seit einigen Monaten in Bethlehem lebt und der darin seine Erlebnisse der letzten Wochen und Monate verarbeitet, bräuchte dazu nur deine e-mail. Es sieht sich anders an, wenn man persönlich betroffen ist, glaub mir!

Aber richtig ist natürlich auch, dass der Islam nach wie vor vom Selbstverständnis her offensiver als andere Religionen ist. Und die christlichen Kreuzzüge fanden etwa zu der Zeit statt, die der Islam bis heute in der Entwicklung gebraucht hat. Mag ja sein, dass er sich auch weiterhin radikalisiert, mag aber auch sein, dass sich eine Interpretation durchsetzt, die stärker auf Toleranz, Achtung der Menschenwürde und Ausgleich aufgebaut ist. Ansätze dazu gab es immer wieder in der Geschichte seit dem Mittelalter, als nämlich über weise arabische Sultane und Kalifen kulturelle Errungenschaften u. Bildung ihren Weg nach Europa fanden. Wäre spannend zu überlegen, wie ein Austausch der Kulturen gefördert werden könnte, der zu mehr Toleranz und gegenseitigem Respekt führt. Hast du dazu eine Idee oder wie stellst du dir konkret die Entwicklung des Konflikts vor?
cb


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Kassandra
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Benutzer # 142

Icon 1 erstellt am: 22. März 2002 22:48      Ansicht des Profils von Kassandra     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
TnT,
cb und ich geraten doch sicher nicht in den Verdacht, einseitig zu argumentieren, nur weil wir die Augen vor der Realität nicht verschließen. Argumente, wie Neid und Missgunst, scheinen mir doch zu simpel sein. Die Zitate, die Du da bringst, mögen stimmen, woher sie auch immer sein sollen, aber ein gepredigter Fanatismus ist ein Aufputschmittel für das Volk, das offensichtlich immer noch bereit ist, sich für eine Idee missbrauchen zu lassen und sein Leben zu opfern. Das gilt für den Nahen Osten und für die Anhänger des bin Laden heute ebenso noch, wie für die Kamikazekämpfer Japans im letzten Weltkrieg bis hin zu den denen, die im Mittelalter Kinderkreuzzüge organisierten. Im Namen Gottes ist unendlich viel gemordet worden.
Dieser "Krieg" im Nahen Osten ist kein Glaubenskrieg, hier geht es um die nackte Existenz der Israelis und der Palästinenser. Um das Recht, in Sicherheit zu überleben. Aber nicht nur für die Israelis, die endlich eine garantierte Heimstatt gefunden haben, sondern auch um die wirtschaftliche und soziale Existenz von Millionen Menschen, die als unerwünscht in den an Palästina angrenzenden Staaten nur geduldet wurden und auch ein Recht auf Heimat, Menschenwürde und Frieden haben.
Arafat hat offensichtlich keinen nachhaltigen Einfluss mehr auf die Handlungen der palästinensischen Extremisten, welcher Art auch immer. Er erscheint mir hilflos und nur noch ein Aushängeschild Palästinas zu sein. Und die Israelis tun alles, um diesen Eindruck noch zu verstärken. Siehe Hausarrest! Scharon ist der denkbar schlechteste Gegenpart. da stehen sich zwei Politiker gegenüber: Auf der einen Seite Hilflosigkeit, auf der anderen rigorose Demonstration militärischer Macht. Das kann nicht gut gehen, wie wir zur Zeit wieder einmal erleben. TnT, unterschätze nicht den Einfluss der orthodoxen Juden, deren Fanatismus dem der Palästinenser nicht nachsteht, auch wenn sie weniger sichtbar morden als die Attentäter. Und ihr Hass ist ebenso religiös motiviert.
Kassandra

Beiträge: 973 | Registriert seit: Mrz 2002  |  IP: gespeichert
TnT
unregistriert


Icon 1 erstellt am: 23. März 2002 01:25            Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
@cb
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Quellen:
israel heute
NAI - Nachrichten aus Israel
Othniel-Str. 9
P.O. Box 10.117
93503 Jerusalem
- ISRAEL -
email: info@nai-israel.com

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cb

Benutzer # 139

Icon 1 erstellt am: 26. März 2002 00:41      Ansicht des Profils von cb     Private Nachricht versenden       Editieren/Löschen des Beitrags   Antwort mit Zitat 
Hallo TnT und Kassandra,

diese info erhielt ich soeben, aktuell für die kommende Woche und recht deutlich:

Friedensgebete für Israel und Palästina in den evangelischen Kirchen
Ratsvorsitzender Kock und EKD-Kirchenkonferenz: Dem Hass entgegen treten

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, erklärt im Namen der in Cottbus tagenden Kirchenkonferenz der EKD, in der alle Lei-tenden Geistlichen und Leitenden Juristen/-innen der EKD-Gliedkirchen vertreten sind:

Die schrecklich gesteigerte Gewaltanwendung mit vielen Todesopfern in Israel und Palästina hat die Hoffnung fast erstickt, dass beide Völker Seite an Seite friedlich miteinander leben können. Auch in Deutschland und besonders in unseren Gemeinden und Kirchen, die sich mit Juden und vor allem christlichen Palästinensern seit Jahrzehnten verbunden fühlen, wachsen Angst und Sorge, dass Freundschaften zerbrechen und Friedensinitiativen völlig zum Erliegen kommen.

Angesichts der bedrängenden Situation rufen wir dazu auf, dass in der bevorstehen-den Karwoche in unseren Gemeinden Friedensgebete stattfinden.

Im Blick auf die bevorstehenden Osterfeiern der christlichen Kirchen im Heiligen Land und in aller Welt unterstützt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) alle Anstrengungen, dem Hass entgegen zu treten und das friedliche Zusammenleben zwischen Israelis und Pa-lästinensern zu fördern. Sie bittet die Bundesregierung, darauf hin zu wirken, dass die Euro-päische Union und die Vereinten Nationen gemeinsam mit den USA und Russland ihre Ver-antwortung für die Region wahrnehmen und zur Lösung der strittigen Fragen konstruktive Vorschläge unterbreiten.

Dazu gehören das Existenzrecht des Staates Israel in gesicherten Grenzen, die Gründung eines lebensfähigen palästinensischen Staates, eine Regelung für die Wasserrechte, eine einvernehmliche Lösung für die Flüchtlinge und eine tragfähige Verständigung über den Status von Jerusalem. Die international garantierte Sicherheit Israels und eine verlässliche Perspektive für das palästinensische Volk sind ebenso wichtig wie der seit langem geforderte Stopp des Baus bis hin zur Aufgabe von jüdischen Siedlungen auf palästinensischem Ge-biet. Es kommt jetzt darauf an, politisch zu handeln, statt sich durch militärische oder terrori-stische Aktionen Vorteile verschaffen zu wollen. In der Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 12. März 2002 sieht die EKD eine neue Chance, dass beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Der Gefahr, dass religiöse Überzeugungen politisch instrumentalisiert werden, muss entge-gen getreten werden. Die EKD dankt allen Initiativen, die sich für das interreligiöse Gespräch und das Zusammenleben der Völker im Nahen Osten einsetzen und trotz aller Widrigkeiten Zeichen des Friedens setzen. Sie wird auch weiterhin die Schulen, Gemeinden und Projekte christlicher Palästinenser unterstützen. Die EKD bittet die Gemeinden in Deutschland, in der Fürbitte und der praktischen Solidarität nicht nachzulassen.

Hannover/Cottbus, den 21. März 2002
Pressestelle der EKD


Melde mich ab für ein paar Tage Ferien und hoffe trotz allem, dass mit Ostern Vernunft und Einsicht in die Köpfe der Verantwortlichen zurückkehrt.
cb


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